Presse

Eine Hochzeit und ein echter Glücksfall

Fehrbellin (MZV) Die Stadt Fehrbellin ist um ein Museum reicher. Am Sonnabend eröffneten Frank und Christina Rosenbaum in der Berliner Straße ihr "Privates Museum". Über 220 Menschen kamen zur Eröffnung in die ehemalige Traktorenhalle.

Frank Rosenbaum hat in den vergangenen Monaten das Gebäude ausgebaut und dort Liebhaberstücke platziert. Über den Köpfen der Besucher, die am Sonnabend an den festlich gedeckten Tischen saßen, standen alte Autos, Motorräder und andere Fahrzeuge älteren Jahrgangs. Wer von den Gästen die Tür der Telefonzelle neben der Bar öffnete, staunte nicht schlecht. Dabei entdeckte man den Weg, der in eine Fahrzeughalle führt. Dort standen zahlreiche Oldtimer in Aufbereitung.

Draußen auf dem Gelände standen bereits 30 Fahrzeuge und zogen Neugierige an. "Hier wurde viel Herzblut und Geld reingesteckt", sagte Frank Bullwitt aus Hamburg. Er ist ein Freund der Rosenbaums und findet wie viele andere auch, dass zu solch einem Projekt in der heutigen Zeit viel Mut gehört. Den hatten Christina und Frank Rosenbaum. Sie ist gebürtige Fehrbellinerin und heiratete Frank Rosenbaum aus Wedel am Tag der Museumseröffnung. Die Rosenbaums hatten sich die Ringe zu ihren jeweiligen 50. Geburtstagen geschenkt. Christina Rosenbaum war gerührt und oft flossen die Tränen.

"Jeder, der im Museum heiraten möchte, kann das hier", sagte Christina Rosenbaum und erklärte, dass es diesbezüglich eine Zusammenarbeit mit den Standesämtern geben wird. Die Rührung war ihr am Sonnabend deutlich anzusehen: Während ihrer Eröffnungsrede, bei der auch Fehrbellins Bürgermeisterin Ute Behnicke und Ortsvorsteher Jürgen Sternbeck vor Ort waren, tupfte sie oft ihre Augen.

Dicht standen die Menschen in der Halle und erhoben gemeinsam das Glas auf das Paar. Wer sich genauer umsah, entdeckte viele Museumsstücke - wie alte Bilder an den Wänden und zwei Musikboxen. Der Besucherstrom riss nicht ab und die Feier nahm ihren Lauf. Vor dem Partyzelt standen zwei große vergoldete ägyptische Figuren. Diese und die Oldtimer auf dem Gelände waren lohnende Motive für ein Foto zu Erinnerung. In einem alten Jeep der russischen Armee tollten drei Kinder. Die dreijährigen Zwillinge Elina und Fynn und ihre Schwester Lea aus Berlin fanden es schön, in solch einem Wagen zu sitzen.

Das Museum ist für Besucher nach Terminvereinbarung zu besichtigen.

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Unterwegs im Dienstwagen des Stasi-Chefs

Liebe auf vier Rädern: Wie Frank Rosenbaum und Christina Noack die Volvo-Staatskarosse von Erich Mielke in Wedel wieder aufmöbelten

Von Rainer Burmeister

Wedel. Auf den ersten Blick von vorn ist für Passanten oder den Gegenverkehr noch alles klar: Ein großer Volvo rollt da behäbig über den Tinsdaler Weg in Wedel. Alter Schwede, der ist trotz seiner rund 30 Jahre noch gut in Schuss. Stimmt. Doch bei näherem Hinsehen fällt dann auf, dass da doch etwas nicht stimmt.

Der rabenschwarz lackierte Volvo ist nämlich ein ganzes Stück länger als es die normalerweise schon recht ausladenden Limousinen des Typs 264 waren. Was bei Ami-Schlitten als Stretchcar bezeichnet wird, hat der schöne Schwede auch vorzuweisen. Die Karosserie wurde um 70 Zentimeter verlängert. So verwandelte sich der solide Volvo 264 in einen gestreckten Volvo 264 TE mit einem beachtlichen Maß von 5,60 Metern!

Die Typenbezeichnung TE sagt schon, wo es lang geht: nämlich in Richtung Staatskarosse. TE steht für Top Executive. Mit dieser Abkürzung schmückte Volvo seine etwa 350 Spezialanfertigungen, die vom Turiner Karosserieschneider Bertone verlängert und veredelt wurden. Später lieferte auch ein schwedischer Karosseriebauer einige Exemplare aus. Abnehmer der Repräsentationsfahrzeuge war neben dem schwedischen Staat auch die DDR. SED-Generalsekretär Erich Honecker höchstselbst orderte mal eben 100 Stück der Luxuslimousinen für den Fuhrpark der Staats- und Parteiführung.

Doch es wird noch kurioser: Bei dem Auto, das da durch die Rolandstadt fährt, handelt es sich um den früheren Dienstwagen von Stasi-Chef Erich Mielke. Der leitete in der untergegangenen DDR das gefürchtete Ministerium für Staatssicherheit (MfS). Hinter dem Lenkrad sitzt Frank Rosenbaum.

Der ist nicht nur Toyota-Händler in Wedel, sondern auch leidenschaftlicher Sammler von Oldtimern, Youngtimern und diversen anderen automobilen Raritäten. Mielkes rollendes Hauptquartier, Baujahr 1980, gehört jetzt Rosenbaum und dessen Lebensgefährtin Christina Noack. "Es ist nicht nur ein Auto dieses Typs, sondern das Originalfahrzeug, mit dem der Stasi-Chef unterwegs war", versichert Rosenbaum. Der Autohändler ist mit seiner Partnerin dabei, 60 Kilometer nordwestlich von Berlin das Privat Museum Fehrbellin einzurichten. Christina Noack stammt aus Fehrbellin. In ihrer Heimatstadt soll Rosenbaums Sammlung ausgestellt werden.

Dritter im Team ist ein guter Bekannter Rosenbaums aus der ehemaligen DDR. Der kaufte die Überbleibsel des Fuhrparks "im Paket" auf, als nach der Wende der ehemalige DDR-Staatsbesitz über die Treuhand veräußert wurde. "Die Fahrzeuge waren bis auf zwei Ausnahmen alle blau lackiert", sagt Frank Rosenbaum. Den schwarzen Extra-Lack habe es lediglich für die Dienstwagen von Erich Honecker und von Erich Mielke gegeben.

In Wedel wurde der Luxusschlitten des Staatssicherheitschefs wieder auf Vordermann gebracht. Vor allem der mit blauem Edel-Velours komplett ausgeschlagene Innenraum musste nach jahrelanger Standzeit gepflegt werden. Sogar die ausgeleierten und zerschlissenen Nähte der Vorhänge an den hinteren Seitenfenstern hat Christina Noack erneuert. Mit dem verschiebbaren Sichtschutz konnte sich Mielke den neugierigen Blicken seiner DDR-Untertanen entziehen, wenn er mit der Staatskarosse unterwegs war.

Der Stasi-Chef, dessen Ministerium über Hunderttausende offizielle und inoffizielle Schnüffler verfügte, war bei aller Liebe zum Sozialismus im sogenannten Arbeiter- und Bauernstaat wie auch Honecker dem Luxus westlicher Prägung nicht abgeneigt. Geordert wurde allerdings nicht beim Klassenfeind, sondern im politisch neutralen Schweden.

Der Stretch-Volvo verfügt über hochglänzende Edelholz-Verkleidungen in den Türen. Auf der etwas plüschig wirkenden Rückbank war Platz genug, um in der Mittelarmlehne noch ein Funk-Telefon unterzubringen. So hatte Mielke stets einen heißen Draht in seine Behörde und den übrigen Staatsapparat an Bord. Außerdem reichte die geräumige Passagier-Kabine aus, um zwei Zusatzsitze zu installieren, die bei Bedarf ausgeklappt werden konnten. Zu den Extras gehört neben einer Getriebe-Automatik und einer Klimaanlage auch ein speziell gesicherter Benzintank.

Mielkes Volvo hat mittlerweile fast 100 000 Kilometer auf dem Zähler. Angetrieben wird der 264 TE von einem Sechszylinder-V-Motor, der über 2,7 Liter Hubraum verfügt. Die aus heutiger Sicht bescheidene Leistung von 140 PS reicht aus, das bei voller Auslastung immerhin bis zu 2,2 Tonnen schwere Gefährt auf 165 Kilometerstunden zu beschleunigen. Der TE war im regulären Handel nicht zu erwerben, sondern wurde ausschließlich als Staatskarosse produziert.

Wenn Rosenbaum und Christina Noack mit dem polierten Edel-Volvo auf Tour gehen, ist allerdings meistens ein zum noblen Typ passendes gemächliches Tempo angesagt. Um den einstigen DDR-Look perfekt zu machen, wird sogar Flagge gezeigt. Auf dem Stander am vorderen Kotflügel kann eine extra angefertigte DDR-Fahne mit Hammer und Sichel aufgezogen werden.

Das Publikum staunt oder lacht, wenn Mielkes Volvo vorbeirollt. Kürzlich besuchte Rosenbaum mit dem Prachtstück das Wedeler Yachthafenfest. Einige Zuschauer salutierten sogar und die Polizei hatte auch nichts dagegen, dass der Volvo mit DDR-Beflaggung unterwegs war. Derzeit sind die Frank Rosenbaum und Christina Noack mit dem Dienstwagen des Stasi-Chefs in Sachsen als Teilnehmer einer Youngtimer-Rundfahrt unterwegs.

Zwei Extras dürften Mielke einst besonders gefallen haben: das bei Bedarf aufsetzbare Blaulicht sowie ein Autoradio mit Kassettenrekorder, wie es damals Stand der Technik war.

Die integrierte Tonbandmaschine hat allerdings sogar eine Aufnahmefunktion. So konnte der Stasi-Chef, wenn Besucher ihn begleiteten, sogar deren Äußerungen heimlich mitschneiden lassen.

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„Wir leben in einem Museum“

Christina Noack und Frank Rosenbaum aus Wedel wollen in ihrem Haus in Fehrbellin ab Mai viele Raritäten zeigen

FEHRBELLIN -  Das Schicksalsjahr 2007. Mit dem Auto verfahren – und eine neue Liebe gefunden. Eine Musikbox repariert – und eine neue Sammelleidenschaft entdeckt. Geburtstag gefeiert – und ein neues Haus gekauft. Ergebnis: Christina Noack und Frank Rosenbaum, die Frau aus Fehrbellin und der Mann aus Wedel bei Hamburg, eröffnen 2013 ein privates Museum in der Rhinstadt – und erfüllen sich damit einen Herzenswunsch.

Aber noch einmal von Anfang an. „Unsere beiden Navis hatten damals einen Programmfehler und führten uns in eine Sackgasse. Christina hatte bereits gewendet – und ich wusste sofort, dass ich ihr hinterherfahren muss“, erzählt Frank Rosenbaum und lächelt seine Lebensgefährtin an. Sie lächelt zurück. Dreimal sind sie sich noch an diesem Tag begegnet – danach war ihr Schicksal besiegelt. Christina Noack, die in Fehrbellin geboren wurde, seit 1981 in Walchow lebte und im Autozentrum Treskow arbeitete, und Frank Rosenbaum, der seit 1991 in Wedel bei Hamburg ein Autohaus führte, wurden nach dem Seminar in Hannover, zu dem sie fuhren, ganz schnell ein Paar. Ein Paar, das gern zusammen verrückte Ideen entwickelt und auslebt.

Zum Beispiel die mit der Musikbox. Die stand seit den 60er Jahren im Hobbykeller der Familie Rosenbaum. Frank Rosenbaum kletterte als Steppke fasziniert auf das Gerät, um den Plattenwechsel zu bestaunen. Doch irgendwann gab die Kiste den Geist auf. Ein Stück Kindheit schmeißt man aber nicht einfach weg. 2007 nahm sich das Paar der Box an, ließ die Elektronik reparieren und polierte das Gerät selbst auf. „Ich habe Tausende von Goldsplittern mit dem Pinsel aufgetragen“, berichtet der Wedeler. Als der Musikboxenkenner mit dem Innenleben der Box nach einer Woche zurückkam und das aufpolierte Gerät sah, war er sprachlos. Für das Paar war klar, dass sie mehr solcher Automaten aufmöbeln und haben wollen. Zehn Stück besitzen die beiden 49-Jährigen inzwischen – und haben in Fehrbellin nun genug Platz, um die Boxen aufzustellen.

Und das kam so. Im September 2007 nahm Christina Noack ihren Frank zum Geburtstag ihrer Schwester in Fehrbellin mit. Gegenüber stand eine alte Traktorenhalle. „Das ist genau das, was ich brauche“, sagte Frank Rosenbaum. Er sammelte seit Ewigkeiten Oldtimer und andere Wagen. Seine Eroberungen waren aber an mehreren, nicht immer dafür geeigneten Orten verstreut, was dem autoverliebten Paar nicht gefiel. Dass die Riesenhalle mit den vielen Garagen zwangsversteigert wird, schien wie ein Glücksfall; im Dezember gehörte die Halle ihnen.

„Wenn wir allerdings gewusst hätten, was da auf uns zukommt – vielleicht hätten wir es doch nicht gemacht“, sagt Frank Rosenbaum. Denn auf dem Gelände, in der Halle, in den Garagen, überall war Unrat verstreut, die Gebäude selbst ziemlich hinfällig, die Heizung funktionierte nicht, die Tore waren nicht einmal als Brennholz gut. Nach der Beseitigung der Altlasten fingen sie an, die Halle nach und nach umzubauen, verbrachten jede freie Minute in Fehrbellin – inzwischen wohnte und arbeitete auch Christina Noack in Wedel. Es war anstrengend – und dann kam auch noch das Bauamt und sagte: Einfach so umbauen, das geht nicht. Das Paar sollte einen richtigen Bauantrag stellen. Daraufhin entscheiden die beiden, dass sie die Halle nicht nur ein bisschen renovieren, sondern ganz nach ihrem Gusto neu entwerfen wollen – samt Platz für ein privates Museum. Seitdem bauen sie. „Wir haben sehr viel allein gemacht“, erzählt Christina Noack. „Denn das, was man selber erschaffen hat, macht auch am meisten Freude.“

Wer nun auf das Grundstück an der Berliner Allee 19 d schaut, staunt: Dort steht in der zweiten Reihe eine amerikanisch anmutende Residenz mit Säulen. 400 Quadratmeter Wohn- und Ausstellungsfläche auf einem 4500 Quadratmeter großen Grundstück. Alles ohne Stufen, denn das Haus soll später als Alterssitz dienen. Das Paar will vermutlich in etwa fünf Jahren die Geschäfte in Wedel an zwei der fünf erwachsenen Söhne – so viele Kinder hatten beide insgesamt in ihren früheren Ehen – übergeben und nach Fehrbellin ziehen. Doch schon im Mai 2013 wollen sie das Museum eröffnen, das vorerst aber nur auf Anfrage für Gäste offen steht.

Das Herzstück der Ausstellung sind die Autos. Knapp 30 automobile Raritäten besitzt das Paar im Moment, darunter elf Oldtimer. Es sind vor allem Modelle aus den 60er Jahren. „Diese Straßenkreuzer haben eine Seele, eine Form“, schwärmt Frank Rosenbaum. „Die leben für mich.“

Ein Exemplar, das künftig in Fehrbellin stehen soll, ist ein ganz besonderes: die Staatskarosse des früheren Stasi-Chefs. Die schwarze Volvo-Stretchlimousine vom Typ 264 TE, Baujahr 1980, ist 5,60 Meter lang, verfügt über ein Funktelefon, eine Klimaanlage und einen Fahnenhalter und soll tatsächlich von Erich Mielke persönlich als rollendes Büro benutzt worden sein. Das Auto gehört dem Paar nicht, sondern einem Freund, der den Dienstwagen nach der Wende im Paket mit anderen Fahrzeugen kaufte, als die Treuhand den DDR-Staatsfuhrpark veräußerte. Dieser hatte den Luxusschlitten den beiden überlassen, als er hörte, dass sie ein Museum eröffnen wollen. Sie haben das Originalfahrzeug inzwischen generalüberholt und sind damit auch schon unterwegs gewesen. „Das ist schon ein tolles Gefühl“, sagt Christina Noack.

Doch die Fahrzeuge machen nur einen Teil der Ausstellung aus, die so weit in die privaten Räume des Paares hineinreicht, dass Christina Noack sagt: „Wir wohnen in einem Museum“. Ein echt Kölner Kneipentresen, die quietschgelbe Telefonzelle, wie es sie kaum noch gibt, Möbel aus vergangenen Zeiten, Filmrequisiten, selbst gestaltete mediterrane Straßenzüge und die Musikboxen runden das Sammelsurium ab. An viele der seltenen Exponate kam Frank Rosenbaum nur, weil er nebenberuflich als Auktionator arbeitet.

Die Bauarbeiten sind fast beendet – doch das Paar schmiedet schon wieder Pläne. „Wir sind in vielen Automobilklubs drin. Und das Museum wäre eine Superstation bei einer Rallye“, sagt der Toyota-Händler. Davon könnten auch Hotels oder Gaststätten in der Region profitieren. „Bei dem Museum ist auch für Fehrbellin was drin“, sagt der Mann, der sich schon in Wedel um Stadtmarketing kümmert. „Hauptsache, es macht Spaß.“ Seine Partnerin lacht und nickt. (Von Celina Aniol)

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Grünes Licht für Wappen-Werbung

Hauptausschuss stimmt Nutzung des Fehrbelliner Emblems für privates Museum zu

FEHRBELLIN - An dem Billardtisch wurde eine der ersten Europa-Meisterschaften in Deutschland ausgetragen. Mit der Volvo-Limousine kutschierte einst Erich Mielke durch die Gegend und die Fernseher und Radiogeräte stammen größtenteils aus den 50er Jahren. Der Hamburger Frank Rosenbaum besitzt ein wahres Kuriositätenkabinett. Mit dem nostalgischen Sammelsurium will er an der Berliner Allee in Fehrbellin ein privates Museum einrichten und dafür zu Werbezwecken ein Logo mit dem Fehrbelliner Wappen verwenden.

Wegen der geschützten Urheberrechte ist dafür die Genehmigung des Fehrbelliner Hauptausschusses nötig. Dieser gab in seiner Sitzung am Mitwochabend für das Vorhaben des Sammlers einstimmig grünes Licht. Ausführlich erläuterte Rosenbaum in der Versammlung seine Idee für das private Museum.

Seit 30 Jahren habe er mit Autos zu tun, nebenberuflich arbeite er als Auktionator – darauf wies der Hamburger als erstes hin. Oldtimer-Autos, Trabis, Motorräder sammelt er. Das Haus an der Berliner Allee kaufte er gemeinsam mit seiner Frau. Einen Teil wollen sie selbst bewohnen, der andere Teil ist als Ausstellungsfläche gedacht.

Das Dach haben sie wie einen Himmel bemalen lassen, der Boden gleicht einer Straße, Säulen sorgen für Museumsflair. Dass das Fehrbelliner Wappen ihr Museumslogo zieren soll, ist durchdacht. „Wir wollen damit Werbung für Fehrbellin machen“, so Rosenbaum. Auf ihrer Internetseite wollen sie das Emblem eventuell ebenfalls platzieren.

Bedenken, das Recht zur Wappen-Nutzung an Frank Rosenbaum zu übergeben, gab es unter den Ausschussmitgliedern nicht. Statt dessen stellten sie Fragen. Einige sorgten sich, dass eine Konkurrenzsituation zum Heimatmuseum entstehen könnte. „Uns geht es nicht um Kommerz, wir wollen damit kein Geschäft machen. Und wir haben auch einen anderen Schwerpunkt als das Heimatmuseum“, so Rosenbaum.

Das Recht zur Verwendung des Wappens übertrug der Hauptausschuss auf Wunsch von Frank Rosenbaum auch auf seine Familie. Demnach ist Rosenbaums Frau ebenfalls berechtigt, das Wappen zu nutzen. (Von Anne Mareile Walter)

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Das Haus der verrückten Ideen

Fehrbellin (MZV) Der Schlaf bringt die Ideen - und diese werden dann so schnell wie möglich umgesetzt. Frank Rosenbaum und Christina Noack sind ein eingespieltes Team, was das angeht. Sie wollen nun ein privates Museum in Fehrbellin eröffnen.

Ein Haus, das voller Überraschungen steckt: Das ist wohl die treffendste Beschreibung für das große Gebäude, in dem Rosenbaum und seine Lebensgefährtin Noack sich in Fehrbellin eingerichtet haben. Schon von Weitem fällt vor allem eines auf: der chromglänzende Cadillac in der Auffahrt. Doch er ist längst nicht das einzige Ausstellungsstück, das bei Besuchern des späteren Museums für Staunen sorgen wird.

Die Eingangstür zur Wohnung des Paares ist unscheinbar, dahinter zeigt sich ihre ganze Leidenschaft dafür, verrückte und einzigartige Einfälle schnell in die Tat umzusetzen. Die Empfangshalle mit hoher Decke hat kurzerhand einen blassblauen Himmel bekommen. Links befindet sich die offene Küche, darüber Fenster samt Fensterläden. Die sind zwar nur aufgemalt, aber der Besucher kann regelrecht spüren, wie sich die Blicke neugieriger Nachbarn hinter den Gardinen auf ihn senken. Geradezu steht eine einladende Tafel. An den Wänden zieht sich eine Reihe mit Dachpfannen entlang: "Wir wollten, dass hier alles aussieht, als handle es sich um einen kleinen Marktplatz", erklärt der 49-jährige Rosenbaum. Und so sind die Türen zu Bad, Schlafzimmer und den anderen Räumen auch so gestaltet, als wäre jede von ihnen eine Eingangstür zu einem Haus - inklusive Klingelknopf.

Der ganze Flur ist terrakottafarben gefliest, rechts steht ein Motorrad - wie in einer kleinen Gasse mitten in Italien oder Spanien. Was darf da nicht fehlen? Die Kirche natürlich. Auch sie gibt es: Als Bild an der Wand mit einer echten Tür. Die hat der Autohaus-Inhaber Rosenbaum selbst gebaut, die Schnitzereien stammen von seinem Vater. Dahinter verbirgt sich aber keine Kapelle, sondern ein Umkleidezimmer.

Auch wenn sie noch so eindrucksvoll ist - Museumsgäste wollen die Beiden nicht durch ihre Privatwohnung führen. Doch der Flur ist per Glastür mit der Halle verbunden, in der all die ungewöhnlichen Schätze des Paares Platz finden werden. Gucken ist also erlaubt.

Die Idee, sich in Fehrbellin häuslich einzurichten, kam durch einen Zufall. Christina Noack stammt aus der Rhinstadt, hat aber vor einigen Jahren bei einem Seminar Frank Rosenbaum kennen und lieben gelernt. Sie zog zu ihm nach Wedel bei Hamburg. Doch die Familie blieb in Fehrbellin und so kam es, dass es immer wieder Besuche in der Region gab, unter anderem bei Noacks Schwester, die genau gegenüber der Halle wohnt. Da kam Rosenbaum der Einfall, dass er ein solch großes Gebäude sehr gut gebrauchen könnte. Und wie das bei den Beiden so ist, wurde das auch schnell in die Tat umgesetzt: Das Paar kaufte das Haus bei einer Versteigerung.

"Vor der Wende wurden hier Landmaschinen und Traktoren repariert", sagt Christina Noack. Nach 1990 gab es wechselnde Besitzer. Doch keiner blieb lange - bis 2007 die beiden 49-Jährigen kamen.

Den Plan, vor Ort Autos, Musikboxen und mehr unterzubringen, gab es damals schon. Doch alles andere entstand nach und nach beim Bauen. Auch heute noch sind Rosenbaum und Noack damit beschäftigt: Eine zweite Halle wird an die erste angebaut, denn die vielen Autos brauchen Platz. Doch nicht nur Fahrzeuge - vom Mercedes-Oldtimer über den Trabbi bis hin zum Toyota mit Flügeltür - befinden sich dort. In der Ecke steht ein Teil der Einrichtung einer Kölner Kneipe. "Die habe ich mal ersteigert", erinnert sich Frank Rosenbaum. Eine alte Telefonzelle gibt es auch, und sie ist ein echtes Highlight der geplanten Ausstellung. Denn per Hebel lässt sich die Rückwand bewegen. Dahinter kommt ein langer Gang zum Vorschein, der zu einem weiteren Wohntrakt führt, den das Paar aber so lassen will, wie er ist: grau in grau, wie er schon zu DDR-Zeiten war. "Hier haben wir während der ersten Bauphase gewohnt", sagt Christina Noack.

Es ist nicht so, dass alle Ideen, die Rosenbaum und Noack haben, bis zum Ende umgesetzt werden. Der Durchbruch von der ersten zur zweiten Halle beispielsweise wurde wieder verputzt. Aber mit dem runden Fenster, das vom Ausstellungsareal aus einen Einblick in die Wohnung erlaubt, hat Frank Rosenbaum etwas vor: "Es soll mal der Mittelpunkt eines großen Auges werden", verriet er.

Geplant ist, dass der Autohaus-Inhaber und seine Freundin in zirka fünf Jahren nach Fehrbellin ziehen. Er will dann das Zepter im Geschäft in Wedel an seine Kinder abgeben. Doch schon am 18. Mai wird es eine erste große Veranstaltung im privaten Museum geben: Dann feiern die Beiden ihren hundertsten, wie sie sagen. Sowohl Frank Rosenbaum als auch Christina Noack werden 2013 nämlich 50 Jahre alt. Den Winter wollen sie bis dahin nutzen, um ihr Museum einzuräumen, denn es warten noch einige Autos, Musikboxen und andere Schmuckstücke darauf, von Wedel ins ferne Fehrbellin zu ziehen.

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